Nachdem wir eine kalte Nacht, mit feinem Abendessen, bestehend aus Alpaca Fleisch, Gemüse und Reis, kurz vor der bolivianischen Grenze in Colchane verbrachten, gehts nach dem Frühstück mit einer guten Ladung Coca Tee erstmal zur Grenze. Die Formalitäten sind relativ schnell erledigt und uns bleibt noch ein halber Tag für die Weiterreise. Auf dem Altiplano gehts weiter Richtung Oruro. Ganz schaffen wir es heute nicht mehr bis zur Grossstadt, was allerdings nichts ausmacht, da wir gerne noch mal einen Wildcampingspot ansteuern wollen. In Bolivien kann man fast überall frei stehen und unser Hotel der Millionen Sterne ist meist komfortabler als die angebotenen Unterkünfte. Den Platz den wir finden ist perfekt, mit Blick in die Weite der Prärie und einer wenig frequentierten Rumpelpiste. Kaum steht aber das Zelt, kommt schon ein kleines Moped vorbei, das auf einmal sehr langsam fährt und für die wir, anscheinend die Tagesattraktion sind. Wir winken, es winkt vom 3 Mann beladenen Motorrad zurück. Was wir erst gar nicht bemerken, ist ein Hund der dem Zweirad hinterher trottet.
Dieser knuddliger Vierbeiner findet anscheinen unser Camp auch sehr interessant und somit kommt er erstmal vorbei zum "Hallo sagen". Kurz darauf fährt das Moped wieder vorbei und sie winken als erstes, also winken wir zurück. Dieses Spiel wiederholt sich ein paar mal, bis dann auch noch ein Jeep vorbeifährt und anhält. Na, mal sehen was jetzt passiert. Ein junger Mann steigt aus und kommt auf uns zu. Nach dem üblichen Kennenlernspiel bekommen wir von Carlos eine Einladung auf dem Bauernhof seines Vaters (Don Victor), der gleich in der Nähe ist zu übernachten. Da wir uns aber schon so schön eingerichtet haben und gerade am Abendessen machen sind, lehnen wir diesmal Dankend ab.
Sie habe sich wohl zur Aufgabe gemacht alle halbe Stunde mal vorbeizuschauen ob bei uns alles in Ordnung ist. Wer allerdings seinen Bauernhof gegen unser Zeltlager getauscht hat, ist "Señior Lumpi" mein neuer zotteliger Freund, dem es anscheinend so gut bei uns gefällt das er gleich bis zum nächsten Morgen bleibt. Er schläft in der offenen Apside des Zeltes und wie es aussieht hat er besser geschlafen als wir. Die Höhe machte uns in der Nacht etwas zu schaffen, da wir relativ schnell von der Küste ins Hochland gefahren sind.
Zum Frühstück am anderen Morgen bleibt er noch und natürlich bekommt er auch etwas von uns, denn mit vollem Magen lässt es sich besser durch die Pampa ziehen. Noch einmal knuddeln und er trotten davon. Wir machen uns auch auf die Socken.
Oruro haben wir recht schnell hinter uns gebracht, denn wir wollen heute noch in La Paz ankommen. Als Domizil haben wir uns eine Moto Posada im südöstlichen Teil der Stadt rausgesucht. Die Fahrt bis dorthin könnte man als unspektakulären bezeichnen. Wenn man die grossen Verbindungsstrassen von Bolivien kennt, schockt einen so schnell nichts mehr. Von Schlaglöchern, Asphaltfragmenten und Bergen von Abfall, nahe den Ortschaften gibts sonst momentan nichts aufregendes. Das allerdings ändert sich schlagartig als wir uns La Paz nähern.
Plötzlich stehen wir mitten in einem Markt, oder sollte ich besser sagen, der Markt hat sich unbemerkt um uns herum aufgebaut. Zuerst geht mal nix mehr. Der komplette Verkehr kommt zum erliegen. Es ist zwar eine zweispurige Strasse in die Stadt rein, aber die Marktstände werden auf jedem noch so kleinen Fleck aufgebaut und wenn das auf dem Mittelstreifen ist, Da hilft nur noch eines und zwar weg von den Hauptwegen. Wir mogeln uns zwischen den Ständen durch und kommen auf eine Parallelstrasse, die zwar nicht geteert ist und mindestens genauso tiefe Schlaglöcher hat aber dafür kann man immerhin im zweiten Gang fahren.
Nach einer gefühlten Ewigkeit zeigt mein Navi eine scharfe Rechtskurve an und ich kann sehen das es nicht mehr weit ist. Was das Navi allerdings nicht anzeigt ist der kleine Höhenunterschied denn wir machen. 400 Höhenmeter auf einem Kilometer. Hört sich nach wenig an, füllt sich allerdings wie die Abfahrt auf einer Skisprungschanze an. Es geht in gerade mal zwei Kurven auf einer Piste mit Steinern, so gross als könnten sie Dinosaurier Eier sein, ab ins Loch.
Verkehr ist wenig dort, nur ein Auto und danach ein kleiner LKW quälen sich mit kohlrabenschwarzen Rauchfahnen aus dem Auspuff den Berg hoch. Normalerweise befolgen wir schon die Regel, das der, der von unten kommende Vorfahrt hat, nur haben wir ein kleines Problem. Die Abfahrt ist so steil das selbst bei abgeschaltetem Motor im ersten Gang, die ganze Chose nach unten will und das auch macht. Also rutschen wir an den beiden einfach vorbei, was sie nicht im Geringsten stört. Das sind sie wohl gewohnt. Unten angekommen ist auf wundersamme Weise auch wieder Teer vorhanden, oder zumindest so was ähnliches.
Es sind nur noch wenige Kilometer bis in die Küche, wie wir zu sagen pflegen, doch auch die haben`s in sich. Wie in einer Achterbahn geht es rauf, runter, wieder rauf und wieder.....genau. Ok, 500 Meter bis ins Ziel, einmal scharf rechts abbiegen. Ich halte an und kuck nach oben. Prima, die Strasse scheint direkt über Kopfsteinpflaster in den Himmel zu führen. Ich dachte immer, wir kommen ja aus den Bergen und sind uns steile Hänge gewohnt. Bolivien, du hast uns wiedermal erwischt mit deiner fast senkrechten Strassenführung. Chapeau!
Als wir den "Heiligen Berg" schliesslich erklommen, die Mopeds in der Garage verstaut und in den 3 Stock hochgewandert sind, waren wir erstmal platt. Zum Glück ist Oscars Posada nur auf 3800 MüM und die Treppe zu den Zimmern breit genug dass man zur Not auch mal ganz gepflegt zusammen klappen könnte. Im Aufenthaltsraum treffen wir auf einen Jungen Motorradfahrer, dessen Friseur irgendwo zwischen Stromschlagopfer und patagonischen Pampagewäschen anzusiedeln ist. Er heisst Flo, kommt aus Deutschland und ist auf den ersten Blick gleich erfrischend sympathisch.
Die drei Musketiere sind auf dem Weg, La Paz unsicher zu machen. "Mi Teleférico" ist dass öffentliche Fortbewegungsmittel, das unser gebührend ist. Die Firma Doppelmayr hat ganze Arbeit geleistet. Die Seilbahn ist mit derzeit zehn Linien und 33 Kilometern Gesamtlänge das weltweit größte städtische Seilbahnnetz. Die Gondelbahnen erschließen den bolivianischen Regierungssitz La Paz und die Nachbarstadt El Alto, dabei befördern sie täglich mehr als 300.000 Fahrgäste.
Vor vielen Jahren hab ich mal ein Buch gelesen, doch zu dieser Zeit war Bolivien noch gar nicht auf meinem Radar. Jetzt sind wir da und ich will Rusty Young` s wahre Geschichte "Marching Powder", über den grössten Knast und dessen ungewöhnliche Produktionsstätten sehn. Das Gefängnis "San Pedro" im Herzen von La Paz ist nicht nur eine Stadt in einer Stadt, sondern auch Umschlagplatz für alles was Geld macht, oder auch die Welt kosten kann.
Es gab wohl Zeiten in denen man für einen kleinen Obolus ein paar Tage im Gefängnis als freiwilliger Insasse verbringen konnte. Ich habs nicht probiert. Anscheinend gibts diese Grusel Tour auch nicht mehr. Aber wer weiss? Wer nicht probiert, der wird's nicht wissen.
Rund ums Zentrum gibts viel zu entdecken. Von liebevoll restaurierten Cafés, Hotels, Bars und natürlich Märkte deren Angebote weit über die Vorstellungskraft eines Europäer hinausgehen. So schlendern wir den ganzen Tag durch die Strassen und Gässchen, lassen uns von dem überall angebotenem Streetfood und den Gerüchen durchs Geschehen treiben bis wir schliesslich den Tag mit einem gepflegten Bierchen in unserer Burg, Revue passieren lassen.
Manchmal lohnt es sich einfach ein paar Tage zu warten. Man sollte das Wetter nicht unterschätzen, was uns schon so manchmal das Fürchten leerte. Diesmal waren die Götter voller Gnade. Wir sind auf dem Weg, die Einst als sehr gefährliche, weil einzige Hauptverbindung zwischen Coroico und La Paz zu befahren.
Der Camino a Los Yungas in den Anden ist etwa 80 Kilometer lang und führt von La Paz in das nordöstlich gelegene Caranavi, in die Region Yungas. In den Jahren, während des Chacokriegs, 1931 bis 1936 wurde die Strasse, teilweise von paraguayischen Kriegsgefangenen gebaut. Sie war eine der wenigen Routen, die den Amazonas-Regenwald im Norden Boliviens mit dem Regierungssitz in La Paz verband und galt als gefährlichste Straße der Welt. Seit Dezember 2007 gibt es eine deutlich weniger gefährliche Alternativroute und die alte Verbindungsstrasse bleibt als Spielplatz für Abendteurer erhalten. Muchas Gracias, me siento honrado.
Bienvenidos, Camino de la Muerte.
Diese Strasse führt durch alle Klimazonen die Südamerika zu bieten hat. Einmal wieder zeigt sich Bolivien als das Land der Superlative. Erstmal das Gewühl von La Paz nach einer gefühlten Stunde hinter sich gebracht, kanns ja nur noch besser werden. Im Nebel kommen wir an der Oberen Abzweigung und somit dem Einstig an, Die Sicht ist noch Nebelverhangen, doch siehe da, nach ein paar Minuten beginnt sich der Vorhang zu öffnen.
Nach und nach kommt ein Atemberaubendes Panorama zum Vorschein. Es dauert genau eine Kurve und die katapultiert dich direkt in die andere Welt. Wir tuckern zu viert durch mystisch herabfallende Wasserfälle, vorbei and überhängende mit wilder Vegetation verhängten Felsen, um Kurven, die für einen Moped und Berg Fan die reinste Freude, für einen Berufsfahrer mit mehr als 3,5T wahrscheinlich das tägliche Bauchweh sind.
Zum späten Mittag sind wir im Tal angekommen und finden uns an einer reich gedeckten Tafel wieder. Bevor wir jedoch über die geteerten, neuere Strasse zurück fahren gibts noch einen kleinen Sprung in den Pool. Solch ein Ereignisreicher Tag muss natürlich auch gefeiert werden und somit gibts am Abend noch ein kleines Asadito.
Qué buena vida!
Das nächste Highlight lässt nicht lange auf sich warten. Nein, ich meine nicht den niemals sterbenden Verkehr, den man Wohl oder Übel noch einmal über sich ergehen lassen muss sollte man La Paz wieder verlassen wollen. Ich meine eher den nahe gelegenen Superlativen Titicacasee, der in den Anden auf 3.812 m zwischen Bolivien und Peru thront. Er ist der höchste schiffbare See der Welt und bekannt für die schwimmenden Schilfinseln der Uros und die Sonneninsel (Isla del Sol). Wir befahren den See an der Ostseite, genau, die Seite weit weg vom Massentourismus.
Auch ohne Touristenführer und Schildern in Blindenschrift finden wir faszinierende Inkakultur, raue Landschaften und eine einzigartige indigene Lebensweise. Die so einzigartig ist, das wir eines Morgens durch einen Schlag aufs Zelt Geweckt werden. Als wir unsere "Haustür" aufmachen und nach draussen blinzeln, bekommen wir ein, im wahrsten Sinne des Wortes, kleines, buntes, in einer unbekannten Sprache donnerndes Unwetter mit. Mit spanisch war nix, kam mir irgendwie spanisch vor.
Eine kleine, ich meine sehr kleine Frau mit vielen bunten Röcken, einem Leinenbündel gefüllt mit Brennholz und einem noch kleineren schwarzem Hut, stand stampfend da, und ich war mir nicht sicher ob mit den Pilzen oder dem Coca Tee von gestern was nicht in Ordnung war. Ein kurzer Blick zu Simona ins Zelt und zurück, puff die Zwergenfee war weg.
Wir waren gerade am Tee machen, da stand wieder plötzlich jemand da. Diesmal durchaus freundlicher und auch gesprächiger. Sie konnte spanisch, was uns half, das ein oder andere Missverständnisse aus der Welt zu schaffen. Sie kannte keine Plastikflaschen, unser Benzinkocher faszinierte sie und hätte diesen auch sehr gerne käuflich erworben. Was sie allerdings durchaus kannte, war die anderer Frau die wir versehentlich als Zwergenfee erkannt, erschreckt und überrascht hatten. Die Frauen des 3 km entfernten Dorfes kommen hier jeden Morgen im Eukalyptus Wald holz sammeln. Kann ich gut verstehen, denn hier in diesem Wäldchen ist es schön schattig, man hat einen spektakulären Ausblick auf den Lago Titicaca und man fühlt sich mit der Natur und dem Leben im Einklang.
Viele Menschen dort entlang dem Ufer des mystischen Sees pflegen und leben noch die Traditionen der Aymara und Quechua. Ich bin fasziniert und überwältigt zu gleich. Nach diesem intergalaktischen Morgen gehts weiter Richtung peruanischer Grenze. Der Weg dorthin wechselt sich mit Asphalt und Rumpelpisten ab und führt uns weiter durch kleine Dörfer, Ackerbau und Viehzucht bis wir am frühen Mittag an einem Schlagbaum, mit jeweils einer Hütte links und zwei auf der rechten Seite stehen. Der wohl niedlichste Zoll den wir gesehen haben.
Niedlich wird zu ulkig. Die schwarz gekleideten Bolivianer freuen sich offensichtlich das mal jemand vorbeikommt und winken schon mal ihren in Kakifarbe gekleideten peruanischen Kollegen auf der anderen Seite zu das gleich Arbeit kommt. Mit den üblichen Fragen über Höchstgeschwindigkeit, PS, gefahrenen Kilometer und bereisten Ländern sind die Ausreise Arbeiten erledigt und die hölzerne Schranke geht auf. Die zwei Peruaner stehen schon bereit vor dem mit Stacheldraht umzäunten Zollhäuslein und begrüssen uns mit Spieglsonnenbrille und einem Lächeln.
Sie erklären, das wir zuerst uns selber importieren müssen und dann die zwei Stahlrösser. Ja eh klar, läuft ja immer so....doch hier läuft es wirklich und das fast wie von selbst. Die immigration von Personen findet unten im Dorf statt, was nur 2 km den Berg runter ist. Dann könne man zurücklaufen und sie machen die Papiere für die Mopeds klar. Na klar, können wir machen.
Könnt ihr uns runter fahren - Leider nein, wir haben kein Auto - Ok
Habt ihr ein Fahrrad das wir leihen können - Leider nein - Ok
Ich laufe aber nicht - Nein? Wie wollt ihr dann immigrieren? - Ok
Wir lassen euch ein Moped und meine Tasche hier - Können wir machen - Ok
Während die beiden Zöllner nun die ehrenhafte Aufgabe übernommen haben auf Wanda und die Tasche aufzupassen, fahren wir ins Dorf und sind die einzigen die dort im Office aufschlagen. Simona geht als erstes an den Schalter und es dauert eine kleine Weile bis der erwünschte Stempel im Büchlein ist. Dann bin ich dran und schaue zu was da so vor sich geht, als ich bemerke das auf dem Bildschirm nur 3 Monate Aufenthalt stehen. Ich möchte mich dunkel erinnern irgendwas mit 6 Monaten auf einmal gelesen, gehört oder geträumt zu haben. Somit frage ich mal höflich nach und der Beamte sagt, ja, das ist mit deutschem Pass möglich.......ahh, aber was machen wir jetzt mit Simona? Ahhh ihre Frau ist Schweizer, die bekommen nur 3 Monate und deswegen gebe er mir nun auch drei Monate. Wie fürsorglich. Ich bedanke mich und zeihe von dannen.
Eine Stunde später stehen wir wieder am Zollhäuschen mit grossen Erwartungen. Die bekommen wir auch. Der Strom ist ausgefallen und somit geht das Internet nicht. Was in diesem Fall auch nichts macht, da die ganzen Formulare im Computer sind und dieser leider nicht mit Diesel läuft.
Aber wo ein Wille, dort ein Weg und somit kramen die beiden eifrig in den verstaubten Schränken. Weil, der ältere der beiden weiss, das dort irgendwo, in den unerklärlichen Tiefen des anscheinend endlosen Aktenschranks noch ausgedruckte Exemplare aus längst vergangenen Zeiten schlummern. Gutes Gedächniss, denn es kommen nach einer intensiven Suche einige Stapel Papier zum Vorschein. Jetzt wird's heiter, denn der ältere, nennen wir in mal Arnold, kann ohne Brille den Radiergummi nicht vom Schreiber unterscheiden. Der jüngere ist dazu verdammt, mit zusammengekniffenen Lippen hinter ihm zu stehen und die Pässe mit einer Hand auf dem Schreibtisch platt zu drücken. In Gedanken führt er den Stift, aber anscheinend ist er der selbige.
Drei Stunden später war auch schon alles erledigt. Wir hatten alle vier, jeweils 10 schwarze Finger von den Fingerabdrücken in 6-facher Ausführung, die Mopeds hatten dafür saubere Griffe und saubere Koffer vom Drogentest, den haben wir auch gemeinsam mit einem kleinen Tüchlein durchgeführ und alle waren wir Glücklich. Auf die Frage von unserem Arnold hin, ob wir noch gemeinsam ein Foto machen wollen, konnten wir aus Gründen der Situationskomik nicht nein Sagen. Danach klopft Arnold Simona auf die Schulter, setzt die Spiegelsonnenbrille auf und sagt: Hasta la vista, Baby!
Bienvenidos en Peru!